Thailand Tauchsafari Januar 2005

Leider musste die Safari, auf Grund einer kurz zuvor stattgefundenen Naturkatastrophe größeren Ausmaßes, welche unsagbares Leid über Großteile Südostasien und andere Regionen des Indo Pacific Raums brachte, abgesagt werden. Dennoch möchte ich nachfolgend einige Worte dazu verlieren.

Als die Erde bebte ... Worte und Gedanken zur Tsunami Katastophe und einer Entscheidung für das Leben

Am 26.12.2004, zum zweiten Weihnachtsfeiertag, als man überall auf der Welt das Fest des Friedens und der Liebe feierte, fand vor der Küste Sumatras, im Indo Pacific eines der schwersten Seebeben der letzten 40 Jahre statt. Durch das Beben ausgelöste Tsunamis, meterhohe Wellen, die auf die Küsten mehrerer angrenzender Länder Südostasiens ungehemmt einschlugen brachten Tod und Zerstörung in unvorstellbarer Größenordnung.
Auch die Küsten von Thailand waren betroffen. Im Besonderem die Insel Phuket, mit ihren Strand- und Badeorten Patong Beach, Karon Beach und Kata Beach, die vorgelagerte Insel Phi Phi, Khao Lak auf dem Festland, sowie der Küstenbereich von Phang Nga wurden dabei sehr stark in Mitleidenschaft gezogen und zerstört. Hundertfaches Leid war zu verzeichnen. In Thailand sprach man von einigen Tausend Toten und vielen Vermissten.
Natürlich hat dies auch sehr, sehr viele Touristen getroffen, die hier in Thailand ihren Weihnachtsurlaub verbrachten und den Jahreswechsel feiern wollten. Den herantosenden Wellen, mit ihrer unvorstellbaren Kraft waren viele der Menschen in Strandnähe oder den angrenzenden Ortschaften nicht gewachsen.
Auch uns hat die Nachricht schwer getroffen und nachdenklich gestimmt. Wir haben viele Freunde im Süden von Thailand, an die wir sofort gedacht haben. Auch viele Gedanken an die Natur, die überaus schöne Fauna und Flora der Küsten, die Unterwasserwelt mit ihrer einzigartigen Spezies bestimmten unsere Gedanken.
Ich wollte zu Anfang des Jahres an einer Tauchsafari in die Gewässer der Andamanensee teilnehmen, um die Riffe um die Similan Islands, die Surin Islands, Kho Bon, Kho Tachai und Richelieu Rock zu besuchen - die Highlights der thailändischen Tauchgebiete.
Sollte man im Angesicht einer solchen Naturkatastrophe zu einer solchen Unternehmung aufbrechen?
Im Angesicht der schrecklichen Bilder von Zeitung und Fernsehen stand der Gedanke alles abzusagen und auf die Tour zu verzichten. Sicherlich spielten dabei auch die Angst und Ungewissheit eine große Rolle.
Fast täglich standen wir telefonisch oder via Internet mit der organisierenden Tauchbasis in Verbindung, um uns ein genaueres Bild über die Ereignisse und den Bedingungen vor Ort zu machen.
Die Basis von Sea Bees, hatte nach dem Unglück schnellstens reagiert und über das Internet einen News Letter für ihre Gäste verbreitet, der Aufklärung über die Lage vor Ort brachte und trotz der stattgefundenen, schrecklichen Ereignisse, zunächst vieles entkräften konnte.
Ich hatte mich deshalb später zunächst wieder entschlossen die Tauchsafari, wie geplant anzutreten.
Bei allem Respekt gegenüber der sagenhaften Zerstörungen, dem vielen Leid und auch den vielen Toten, die infolge der Tsunamis zu beklagen waren, durfte man doch nicht vergessen, dass das Leben auch an den Küsten weitergehen muss, vor allem dann wenn die Natur wieder zur Ruhe gekommen ist und keine neuen Auswirkungen mehr zu befürchten sind - so meine ersten Gedanken.
Gerade im Süden von Thailand ist das Leben vieler Menschen eng und unmittelbar mit dem Tourismus verbunden. Für viele bildet er oft die einzige Lebensgrundlage, um die Familie zu ernähren und den Lebensstandart zu sichern.
Ich wollte mit meinen Bildern und Berichten mithelfen wieder ein freundlicheres Bild vom Süden und den Tauchgründen aus dem Land des Lächelns, mit seinen freundlichen Menschen zu vermitteln.
Keinesfalls sollten die vergangenen schrecklichen Tage, welche die Welt in Atem hielten vergessen sein oder sollten gar in ihren Auswirkungen heruntergespielt werden.
Keinesfalls hätte die Safari unter den Quotienten Spaß und Freude vergangener Exkursionen gestanden, doch wie gesagt das Leben geht weiter und wir Menschen sollten nicht der Natur trotzen.
Am 3. Januar, einen Tag vor meiner Abreise nach Phuket, habe ich mich dann allerdings doch erneut gegen die Safari entschieden.
Zu unsicher war die Lage bis zuletzt was einen reibungslosen Ablauf betraf.
Noch zu diesem Zeitpunkt wurden ständig Nachbeben registriert und gemeldet, die neuerliche Tsunamis auslösen konnten. Ob Panikmache oder nicht ... man weiß es nicht.
Die Navy hatte zudem genug zu tun, um möglicherweise durch neue Flutwellen in Not geratenen Person und Gruppen helfen zu können.
Alle Informationen zu den Ereignissen waren teilweise widersprüchlich und mitunter sehr einseitig, aber im Gegenzuge sicherlich auch manchmal etwas überzogen.
Es ist schade, wenn man über die Medien mit immer neuen schrecklichen Bildern, aber auch ewigen Wiederholungen der Dokumente des Grauens die Menschen verunsichert - doch was ist in einer solchen Situation wirklich noch alles glaubhaft?
Auch wenn die Taucherei bis heute einen uneingeschränkt, wichtigen Platz in meinem Leben einnimmt, ich mich sehr lange auf diese Tour gefreut und vorbereitet habe, so habe ich mich diesmal für die eigene Sicherheit und einzig für meine Familie und nicht die möglicherweise fragwürdigen Erlebnisse der geplanten Tauchsafari entschieden.
Nie zuvor haben mich bei all meinen Tauchunternehmungen bisher so viele Gedanken begleitet, wie im Vorfeld dieser Tour. Ein bekannter Höhlentaucher sagte einmal, "wenn die Angst kommt ist es Zeit umzudrehen, beide, du und die Angst passen nicht zusammen".
Ich hatte diesmal Angst, Angst das eigene nackte Leben bei einem noch möglichen neuen Desasters zu verlieren und die Verantwortung gegenüber meiner eigenen Familie in Frage zu stellen. Auch die Angst der Ungewissheit und die Safari in der Andamanensee hätten nicht zusammen gepasst.
Am 4.Januar, dem Tag des Safaribeginns können wir in Udon Thani eine Liste einsehen, die besagt, dass Thailand durch die Tsunami Katastrophe rund 5100 Tote zu beklagen hat - Touristen und Einheimische. Etwa 8300 Menschen sind verletzt wurden und rund 3900 gelten bis zu dieser Zeit als vermisst. Eine andere Liste zeigt viele, viele Namen von identifizierten, toten und verletzten Personen - Thais und Ausländer.
Dies sind Zahlen, die eigentlich genug Aussagekraft haben zu dem was innerhalb von wenigen Stunden im Süden von Thailand passiert ist.
Bleibt also einzig die Hoffnung auf baldige, bessere und sichere Zeiten in den Urlaubsgebieten und Tauchgründen von Thailand, damit nicht eines der weltweit schönsten Gebiete für immer von den Auswirkungen dieser Naturkatastrophe gezeichnet bleibt und der Schock über Jahre hinweg seine Auswirkungen zeigt.

Wir Menschen sollten auch im Angesicht dieser Katastrophe nachdenken und uns besinnen, dass doch gerade wir es sind, die mit Treibhauseffekt und Umweltzerstörung einen Großteil zur Änderung vieler Naturprozesse beitragen, auch wenn das Seebeben vor Sumatra und die zerstörerischen Tsunamis diesmal keine Ursache menschlichen Handelns waren.
Wir sollten der Natur und Umwelt unseren Respekt zollen und uns bei all unserem Handeln Gedanken über die Zukunft machen, die im Besonderen darin liegen muss die Natur nachfolgenden Generationen zu erhalten.
Der Buddhismus, die Hauptreligion in Thailand geht davon aus, dass alle Dinge in der Natur unmittelbar in Zusammenhang stehen und das Leben nicht ewig ist. Der Buddhist achtet die Natur und besinnt sich darauf Dinge und Zyklen so einfach zu sehen wie sie wirklich sind.
Vielleicht kann also die Religion eine Antwort auf die geschehen Katastrophe geben.

Nachtrag:

Als wir von Thailand unsere Heimreise antraten, tauchten dort auf den Märkten und in den Kaufhäusern u.a. Video CD's mit Aufnahmen der Tsunami Katastrophe auf.
Sicher will jeder wissen, was da geschehen ist, wenn aber der Tod in Bildern präsentiert oder öffentlich zur Schau gestellt wird, so haben wir leider kein Verständnis mehr dafür.
Wir wissen, dass es offenbar auch hier in Deutschland und Europa derartige Veröffentlichungen gegeben hat, die an der fehlenden menschlichen Erfurcht und Achtung mancher Reporter zweifeln lassen.
Es ist schade, dass die Medien, hierzulande, als auch in Thailand selbst, das Geschehene immer noch weiter und weiter ausschöpfen und vermarkten müssen, ohne offenbar an die Menschen vor Ort zu denken, die teilweise vom Tourismus ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Die Thais auf Phuket oder in Khao Lak und den anderen betroffenen Orten brauchen kein Sensationsimage - sie brauchen in erster Linie Hilfe.
Sicherlich ist das Geschehene als absolut grausam und unvorstellbar einzuordnen und keiner wird die zahlreichen Opfer vergessen, doch das Leben geht weiter und auch die geschundenen Regionen haben eine neue Zukunft und benötigen unserer tatkräftige und moralische Unterstützung.