Fontaine de truffe - Höhlentauchen in Frankreich

Frankreich im Frühjahr 2001.
Wir, Udo Krause und ich sind gemeinsam unterwegs im Périgord, dem bekannten und berühmten Feinschmeckerherzen Frankreichs.
Wir sind zu Gast bei einem Cavern- und Intro Cave Kurs des PATD, welches unter der Schirmherrschaft des leider inzwischen tödlich verunglückten Bernd Asbacher steht.

Im Laufe einer Woche schließen wir Bekanntschaft mit einer Gemeinschaft Gleichgesinnter, deren Ziel es ist , mit dem entsprechenden Spaß, Abenteuer- und Forscherdrang in Unterwasserhöhlen zu tauchen und deren Verlauf, Entstehung und allgemeine Charakteristik zu studieren.
Da wir durch einige vorangegangene Exkursionen gleicher Art schon reichlich vorbelastet sind, merken wir recht schnell, dass wir offenbar im Rahmen der Gruppe einen kleinen Sonderstatus einzunehmen scheinen. - nicht zuletzt da wir uns einer ganz speziellen Art des Höhlentauchens verschrieben haben, dem sogenannten Sidemounttauchen.
Auf unseren Touren in Höhlensystemen in Ungarn oder auch auf den Philippinen, wo wir meist in engen und flachen Höhlen getaucht sind, haben wir uns auf diese Art des Tauchens festgelegt, bei der die Flaschen nicht wie üblich auf dem Rücken sondern an den Seiten des Tauchers getragen werden, um diesem ein flacheres Profil zu verleihen. Für uns ist es jedenfalls zu diesem Zeitpunkt die ideale Equipmentkonfiguration.

Im Laufe einer Woche in Frankreich betauchen wir gemeinsam mit unseren Freunden einige Höhlensysteme, wie die Ressel, Source de Landenouse oder auch Source de St Sauveur.
Von einigen Höhlentauchern haben wir Informationen über ein wunderschönes System in der Nähe des kleinen Ortes La Cave - die Fontaine de Truffe, welche auf Grund ihrer phantastischen Bedingungen nahezu ständig betauchbar sein soll. Mit der von uns verwendeten Sidemount Technik soll es zudem keinerlei Probleme geben, welche durch das Profil der Höhle vorgegeben sein könnten.

Also auf in Richtung La Cave.
Im Ort selbst nutzen wir zunächst die Gelegenheit eine wunderschöne trockene Schauhöhle zu besichtigen. Mit einer Elektrobahn geht es dazu zunächst in den Berg, wo sich uns wenig später ein "Märchen" aus wunderschönen Tropfsteingebilden darbietet, was man zudem verstanden hat gekonnt ins rechte Licht zu setzen - ein Farbspiel was seines Gleichen sucht.
Die Truffe ist wenig später mit den Auto, nach einer etwas abenteuerlichen Fahrt durch eine reizvolle Landschaft und ein Bauerngehöft erreicht.
Schon von außen können wir die ungewöhnliche Transparenz des Quelltopfes bewundern.
Selbst der Eingang in die Höhle in der Tiefe ist bereits von hier aus deutlich ersichtlich.
Die Sichtweite beträgt mit Sicherheit weit mehr als 50 Meter.

Natürlich sind wir im Angesicht dieser Bedingungen ganz schnell in unseren Tauchklamotten.
Wir tauchen mit 2 mal 10 Liter Sidemount Flaschen, welche hier ausreichend sein sollten um das System sicher betauchen zu können.
Nach letzten Absprachen, was die Fotoarbeit und die Ausleuchtung betrifft tauchen wir im Quelltopf ab.

Wir sind begeistert, die Transparenz scheint unendlich zu sein. Relativ warme Temperaturen von etwa 14 Grad gestalten das Tauchvergnügen zudem hier als recht angenehm, eine Voraussetzung für mögliche Stressfreie und länger Tauchgänge.
Ein Hindernis im Eingangsbereich in Form eines relativ großen Steins, stellt für uns und unsere Technik, dank unseres relativ flachen Profils kein Problem dar. Wir wissen, dass Taucher mit der herkömmlichen Back Up Technik (Flaschen auf dem Rücken) bereits hier erste Probleme haben können.

Kurz danach erweist sich das Sidemount System bei der Überwindung des sehr engen Einganges in die Höhle erneut als Vorteil. Auch hier können sich oft Taucher mit Rückengeräten nur recht energisch durch das Kiesbett arbeiten um ins Innere zu gelangen - kein angenehmer Gedanke, sollte man einmal recht schnell das Höhlensystem nach außen verlassen müssen.

Die Höhle ist im ersten Sumpf recht groß, die Sicht ist phantastisch und eine sauber verlegte Führungsleine gestalten hier das Tauchen als recht sicher.
Die Tauchtiefe beträgt maximal 14 Meter ( je nach Jahreszeit und Wasserstand), was in der Berücksichtigung auf möglich Sättigungszeiten und Dekostops, natürlich sehr für ausreichend lange Tauchgänge spricht. Uns ist bekannt, dass zu "trockeneren" Zeiten, wenn der Wasserstand sinkt hier auch schon einmal recht flache Bereiche entstehen oder gar Teile der Passage zu Fuß zu überwinden sind, was aber bei unserem Besuch nicht der Fall ist.
Im Bereich des ersten Sumpfes ist so gut wie kein Sediment anzutreffen, welches zum Problem werden könnte.



Nach etwa 160 Metern gelangen wir zu einer Auftauchstelle, die ebenfalls zu Trockenperioden kein Wasser hat und kletternd zu überwinden ist, was uns auch hier erspart bleibt. Wir finden hier relativ glatte Wände in recht großen räumliche Dimensionen vor.
Danach ändert sich das Bild, mit dem Übergang zum zweiten Sumpf schlagartig.
Zunächst müssen wir uns an einer Gabelung entscheiden, welchen Verlauf wir weiter folgen wollen. Wir entscheiden uns für den rechten Teil, von dem wir wissen, dass sich an ihn noch weitere Sümpfe anschließen.
Von nun an geht es in einem recht engem und verwundenen Gang, in dem Platzangst ein Fremdwort sein sollte, auf und ab wie in einer Achterbahn. Die sauber und vorbildlich verlegte Führungsleine weist uns auch hier genau den Weg. Kennzeichnend für den weiteren Höhlenverlauf sind recht bizarre Gesteinsformationen, Auswaschungen und Kolken. Auf Grund der Enge kann der 2. Sumpf fast ausschließlich nur nacheinander betaucht werden, was aber hinsichtlich der Sicherheit zu keinem Zeitpunkt ein Problem darstellt. Wird es mal etwas breiter ist auch ergibt sich auch die Gelegenheit während des Tauchgangs einige Dinge für mögliche Fotos abzustimmen oder Lampen zur optimalen Ausleuchtung zu positionieren.

Das "auf" und "ab" des Gangverlaufs erfordert zwar einiges an Aufmerksamkeit, macht aber unbestritten den eigentlichen Reiz des Höhlensystems aus. Diese Höhle ist keinesfalls etwas für extreme Technikfreaks oder "Tiefenjäger". Für die Truffe braucht man außerdem Ruhe und Zeit.

Bald ist auch das Ende des zweiten Sumpfes an einer Auftauchstelle erreicht. Von hier heißt es Ausrüstung ablegen, aus dem Wasser klettern, Ausrüstung wieder anlegen, um von hier aus zu weitergehenden Trockenpassagen und Sümpfen zu gelangen. Dies ist allerdings zunächst nicht unser Ziel und so treten wir von hier aus den Rückweg an durch die Eindrucksvollen Gangpassagen, die der Höhle ihren eigenartigen Charakter verleihen. Unser Gasvorrat und die Drittelregel weisen uns zu dieser Zeit sowieso in die Schranken umzukehren.

Nachdem wir das Tageslicht wieder erreicht haben sind wir uns einig, dass dies wohl sicherlich eine der schönsten und sehenswertesten Höhlen im Périgord ist, die darauf wartet auch von uns weiter entdeckt zu werden.
Die Fontaine de Truffe hat uns in ihren Bann gezogen und wir werden bestimmt wieder kommen.

Fotos: Oliver Marsel
Udo Krause (1)